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Der Stein der Weisen, in der Alchemie das erstrebte Endprodukt langwieriger Wandlungsprozesse, oft materiell interpretiert als Substanz, die aus Blei oder Quecksilber Gold macht oder auch in ein Allheilmittel (Panacee, Elixir vitae) umgewandelt werden kann. Ausgangspunkt für diese ultima materia ist die ihrerseits in paradoxen Andeutungen umschriebene materia prima. Auch sie wird in den alchemistischen Traktaten oft als Stein der Weisen bezeichnet, offenbar im Sinne der Auffassung, daß in ihr bereits das Endziel des Prozesses keimhaft vorgegeben sei. Der Grundgedanke der von vielen Alchemisten buchstäblich genommenen "Goldsynthese" ist es, daß vom Gold abweichende Unreinheit der Metalle wie auch Krankheit (=Korruption des Körpers) durch die sich ihrer Matrix mitteilende und einprägende Subtilität des Steins der Weisen ausgetrieben werde, wodurch sich folgerichtig in Metallen strahlende Sonnenhaftigkeit und im menschlichen Körper Unverderblichkeit ausbreiten müsse. Der ursprüngliche Symbolcharakter dieser Ideologie, erst ab dem Mittelalter auch im eigentlich chemischen bzw. chemiatrischen (oder iatrochemischen, d. h. arztchemischen) Sinne verstanden, ist naheliegend: Sonnenferne und Korruptibilität resulteiern aus einem Übermaß an Stoffli8chkeit und Mangel an Geistigkeit. Hierdurch erweist sich die alchemistische Lehre als Ausprägung der Gnosis. Der eigentliche Stein der Weisen ist daher der geläuterte und von der Materiewelt unbeeinflußbare Geistmensch, der gewissermaßen durch seine Spiritualität auch seine Umwelt veredelt und vergeistigt wie der Goldmachersage nach das in Wachs gebettete Körnchen des Stein der Weisen (des "roten Löwen"), das in flüssigem Blei oder in Quecksilber die Umwandlung in lauteres Gold bewirkt: "ein Wunder, dem kein Schatz der Welt gleichkommt." Die Bezeichnung "Stein" hängt wohl mit dem antiken Glauben an die wundertätige Macht der Edelsteine zusammen, wie sie etwa dem Diamanten zugeschrieben wurde. |