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Rosenkreuzer (Rosencreutzer, Fraternitas Rosae Crucis, FRC) ist der Name einer apokryphen mystischen Geheimgesellschaft des 17. Jahrhunderts, die unter Berufung auf die historisch nicht greifbare Person eines "Ritters Christian Rosencreutz" (angebl. 1378 - 1484) die Idee einer Generalreformation unter Führung eines "Collegiums der Weisen" im Geiste weltoffenen, von kleinlichem Parteiengezänk unbeeinflußten und im Sinne der Lehre des Paracelsus verinnerlichten Luthertums vertrat. Die "FRC" bildete sich im Anschluß an die Publikation zweier anonymer Schriften (Fama Fraternitatis, 1614, und Confessio Fraternitatis R. C, 1615) heraus und gewann im Anschluß an die ebenfalls anonyme, aber in diesem Fall mit Sicherheit von dem evangelischen Theologen Johan Valentin Andeae (1586 - 1654) verfaßte Schrift Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz, Anno 1459 (1616) an Bedeutung. Die Leitidee war die Existenz eines Eliteordens frommer, im Sinne der alchemistischen Symbolik gebildeter Männer, der den Islam, die Scholastik und das Papsttum bekämpften und ein esoterisch geläutertes evangelisches Christentum zum Siege führen sollte. Das Namensgebende Sinnbilder der Bruderschaft ist die Vereinigung von Kreuz und Rose (zunächst wohl Symbol der Durchdringung der Natur mit Gottesgeist) und tritt im Siegel Luthers auf , das ein aus einem Herzen wachsendes Kreuz im INnern einer Rose zeigt, und ebenso im Wappen des J. V. Andreae (Andreaskreuz mit vier Rosen in den Winkeln); es deutet an, daß die Schöpfung (Rose) durch die Erlösungstat Christi geadelt und geläutert wurde: "Des Christen Herz auf Rosen geht / wenn's mitten unterm Kreuze steht." Was durch die ersten anonymen Rosenkreuzer-Schriften in utopischer Form angeregt und durch die Chymische Hochzeit weiter ausgebaut wurde, zog bald das begeisterte Interesse vieler an einer echten, jeder starren Orthodoxie abholden "Reformation des Herzens" interessierte Männer auf sich, auch wenn die meisten von ihnen ahnten, daß die "Fama" von dem in einer "Zeitgruft" hinterlassenen Testament des mythischen Ordensgründers Rosencreutz, die bei der Öffnung des Grabes im Jahre 1606 (120 Jahre nach ihrer Erbauung) ihr Geheimnis preisgegeben habe, eine Mystifikation war, die wir heute als "history fiction and fantasy" bezeichnen würden. Zu den vom Rosenkreuzer-Geistesgut beeinflußten Gelehrten gehörten der Alchemist Michael Maier, der englische Mediziner Robert Fludd, Descartes, Comenius und Elias Ashmole. Die Gruppe, obwohl nicht wirklich ordenartig organisiert, pflegte das christlich esoterische Gedankengut, das größtenteils auf Andreae und den (später zum Katholizismus konvertierten) Hellenisten Chr. Besold (1577 - 1638) zurückgeht, und verteidigten es gegen die Angriffe von Gegnern, die ihm Sektierertum und haltlose Schwärmerei vorwarfen. Andreae selbst leugnete bald die Autorschaft der beiden Rosenkreuzer-Schriften, "wohl zu seinem Schutze und in Erkenntnis der Unerfüllbarkeit seines hohen Traumes" (Rosenberg 1957). Erst der 30jährige Krieg lenkte die Aufmerksamkeit von dem Suchen nach Vertretern des geheimnisvollen Bundes ab, der seine Faszination jedoch auch später ausübte. Dies zeigt der im 18. Jh. gegründete "Orden der Gold- und Rosenkreuzer" (Fraternitas Rosae Crucis Aureae, FRCA); in Goethes epischem Fragment Die Geheimnisse (1785) ist von einem entlegenen Kloster die Rede, über dessen Pforte ein von Rosen umschlungenes Kreuz angebracht ist. Rosenkreuzer-Gedankengut ist in der Freimaurerei nachweisbar, ebenso in vielen esoterischen Gruppen verschiedener Ausrichtung, die auch im Geistesleben der Gegenwart noch eine gewisse Rolle spielen. Dies zeigt, daß die in den Rosenkreuzer-Schriften vertretenen Ideale des Strebens nach Verinnerlichung und nach Heiligung der Natur, unabhängig von zu engen Schranken der Orthodoxie, einem echten Bedürfnis entsprechen müssen. |