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Manu

Der vedische Noah, der mit Unterstützung der Großen Schlange, Vasuki, der Sintflut in seiner Arche entkam. Manus Arche, die mit den Samen einer jeden Pflanze sowie einem Paar von jeder Tierart beladen und an das Horn der Schlange angebunden war, überstand auf diese Weise das Chaos der Wasserfluten zwischen der Zerstörung des einen Universums und der Schaffung des nächsten.

Manus Arche war das kosmische Samen-Gefäß; sie entsprach in vorvedischen Mythen dem Schoß der Göttin, der durch Zyklen von Zerstörung und Erneuerung hindurch Lebensfunken bewahrte. Manu selbst war offenbar eine maskulinisierte Form von Ma-Nu oder Mutter Nacht; diese Namen trug sie in Ägypten als Geist des Ur-Abgrundes, aus dem der Kosmos entstand. Die SumerInnen kannten sie als Nammu, "das Urmeer, die Mutter der Götter".

Nach der archaischen Vorstellung Manus als Schöpferin geht auf sie auch die Einführung von Moral und Gesetz zurück; die vedischen Weisen nannten daher ihre Heiligen Schriften die Gesetze Manus. Sie wurden in patriarchalischen brahmanischen und buddhistischen Philosophien immer wieder umformuliert und ausgeweitet. Manu blieb auf jeden Fall sexuell doppeldeutig, wie die Ma-Nu oder Nu oder Nun der Ägypter, die manchmal die Gestalt eines großen Fisches annahm, der die Götter gebar. Nu wurde ins Hebräische als Noah übersetzt. Bezeichnenderweise war das der "Fisch" ohne die geschlechtlich eindeutige Mutter-Silbe Ma.

Die vedischen Weisen sahen Manu als eine Art Adam: er war der Urahn der menschlichen Rasse, der von dem brahmanischen Schöpfer im Inzest mit seiner eigenen Tochter gezeugt wurde - eine Umkehrung des archaischen Mythos der Schöpferin, die ihre Große Schlange schuf und sich dann mit ihr vereinte. So viele verschiedene Handlungen, Mythen, Gesetze und Bräuche gingen auf Manu zurück, daß aus ihm 14 verschiedene Manus entstanden, Avataras oder Reinkarnationen desselben Manu in unterschiedlichen Zeitaltern der Welt. Hierbei könnte es sich um eine Neuinterpretation der ursprünglichen Vorstellung aufeinander folgender Universen gehandelt haben, wonach der dunkle Mutterschoß die Samen des zukünftigen Lebens bewahrte und so die Perioden des Flutchaos zwischen ihnen überbrückte.