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Es gibt viele Worte für Hexe, z. B. Incantatrix, Lamia, Saga, Maga, Malifica, Sortilega, Strix, Venefica. In Italien war die Hexe - nach einem alten Titel der Priesterinnen der Jana (Juno) - eine strega oder Janara. Englische Autoren bezeichnen Hexen sowohl als hags (alte Vetteln) wie auch als fairies (Feen); beide Worte waren einst bedeutungsgleich. Daneben gab es auch bildliche Bezeichnungen für Hexen: bacularia (Besenreiterin), fascinatrix (die mit dem bösen Blick), herberia (Kräuterfrau bzw. -sammlerin), strix (Schrei-Eule), pixidria (Bewahrerin einer Salbenbüchse), femina saga (Weise Frau), Lamia (Nacht-Ungeheuer), incantator (Beschwörungen Sprechender), sortiariae mulier (Wahrsagerin, Seherin), veneficia (Giftmischerin), maliarda (Übeltäterin). Lateinische Abhandlungen bezeichnen Hexen als anispex, auguris, divinator; januatica, ligator, mascara, phitonissa und stregula. Dalmatische Hexen waren krstaca, Gekreuzte; eine Ableitung des griechischen Christos. In Holland galt eine Hexe als wijsseggher (Wahrsagerin); von diesem Wort leitet sich auch das englische wiseacre (Besserwisser) ab. Die Bibelstelle, auf die sich eine jahrhundertelange Hexenverfolgung stützte, lautet: "eine Hexe sollt ihr nicht am Leben lassen" (Exodus 22, 18); ursprünglich stand dort das hebräische Wort kasepha, das mit Zauberin übersetzt wurde, obgleich es Seherin oder Wahrsagerin bedeutet. Im frühen Mittelalter gab es in England weibliche Clan-Oberhäpter, die als Gesetzgeberinnen matriarchales Recht ausübten und vollstreckten. Die Magna Carta von Chester nannte sie iudices de wich: Hexenrichterinnen. In früheren Zeiten hatten die ältesten Frauen eines Clans die politische Macht inne, aber die patriarchale Religion und ihre Gesetzgebung verdrängten sie allmählich aus dieser Position; man bezeichnete sie nun als Hexen (witches), um sie zu vernichten. Im Jahre 1711 äußerte Addison folgende Beobachtung: "Wenn eine Frau anfängt, senil zu werden und der Gemeinde zur Last fällt, wird sie meistens zu einer Hexe gemacht." Scot meinte, daß die direkte Beziehung zwischen dem Schicksal einer Hexe und ihrem Vermögen bestehe; der Papst spreche reiche Witwen heilig, während arme Hexen verbrannt würden. Von den vielen Vorfällen, die zur Erhärtung dieser Ansicht beitrugen, sei hier die berühmte französische Chambre Ardente-Affäre genannt, bei der es um die Verwicklung vieler Mitglieder der Aristokratie und der höheren Geistlichkeit in einen Hexenkult ging. Zahlreiche Diener und Dienstmädchen wurden gefoltert und verbrannt, weil sie ihrer Herrschaft bei der Zauberei geholfen hatten; aber im Verlauf der insgesamt vier Jahre, über die sich diese Affäre hinzog, wurde keine einzige Standesperson gefoltert oder hingerichtet. Aller Logik zum Trotz verfolgten die Machthaber armes, ausgestoßenes Volk als Hexen und verkündeten im gleichen Atemzug, Hexen könnten sich mit allem erdenklichen Reichtum versehen. Der Skeptiker Reginald Scot beobachtete voller Zorn, daß man Hexen zutraute, sie könnten "das Korn des Nachbarn auf ihr eigenes Stück Land versetzen. Dabei sind sie als ständig bedürftige Bettlerinnen gar nicht in der Lage, sich zu bereichern; weder mit Geld noch auf andere Art: wer ist so dumm und glaubt weiterhin an ihre übernatürlichen Kräfte?" Helen Jenkenson aus Northants wurde im Jahre 1612 gehängt, weil sie ein Kind verhext haben sollte. Die Hexerei hatte ihr so wenig Gewinn eingebracht, daß im Protokoll ihrer Hinrichtung heisst: "So beendete diese Frau ihr erbärmliches Leben, nachdem sie viele Jahre in Armut gelebt hat, elend, verachtet und von der Welt verlassen." Die klischeehaften Vorstellungen über Hexen haben Scots Darstellung viel zu verdanken: "Es sind Frauen, die gewöhnlich alt, lahm, triefäugig, blaß, widerlich und voller Falten sind; arm, mürrisch, abergläubisch und papistisch; oder solche, die keine Religion kennen. In ihrem schläfrigen Sinn hat der Teufel einen vortrefflichen Wohnsitz gefunden: was immer sich an Unheil, Missgeschick, Unfällen oder Gemetzel ereignet; sie sind leicht zu überzeugen, daß sie es verschuldet haben... Sie sind mager und verkrüppelt, ihre Gesichter zeigen Trübsinn, sie sind ein Schrecken für alle, die sie sehen. Sie sind wirr im Geist, zänkisch, verrückt, teuflisch, und sie unterscheiden sich nicht sehr von denen, die, wie man glaubt, von bösen Geistern besessen sind." Die Verfolger sagten, Hexen für harmlos zu halten sei Ketzerei. Selbst in England, wo Hexen nicht verbrannt, sondern gehängt wurden, führten einige Autoritäten ängstlich die "allgemeni anerkannte Meinung" an, daß der Leib einer Hexe zu Asche verbrannt werden müßte, um die bösen Wirkungen zu verhindern, die von ihrem Blut herrühren könnten. Der Klerus versicherte den Häschern, daß eine Hexe ihre Zauberkraft verliere, sobald sie von einem Bediensteten der Inquisition berührt würde; die Gehilfen der Inquisition waren sich dessen allerdings nicht so sicher. Zahlreiche Geschichten berichteten von der Angst der Verfolger vor ihren Opfern. Es hieß, im Schwarzwald hätte eine Hexe ihrem Henker ins Gesicht geblasen und ihm seinen Lohn versprochen; am nächsten Tag sei er von der tödlichen Leprakrankheit befallen worden. Die Inquisitoren wurden in ihren Handbüchern angewiesen, ständig ein am Palmsonntag geweihtes Säckchen mit Salz bei sich zu führen, es zu vermeiden, einer Hexe in die Augen zu sehen und sich im Hexen-Gefängnis ständig zu bekreuzigen. Peter von Bern vergaß diese Vorsichtsmaßnahmen, und eine eingekerkerte Hexe ließ ihn durch einen Zauber eine Treppe hinunterfallen - er erbrachte den Beweis für dieses Vergehen, indem er sie folterte, bis sie es zugab. Jede ungewöhnliche Begabung einer Frau führte sofort zur Anklage der Hexerei. Die sogenannte "Hexe von Newbury" wurde von einer Gruppe Soldaten ermordet, weil sie auf den Wellen des Flusses "reiten" konnte: Soldaten des Grafen von Essex hatten sie dabei beobachtet und waren "äusserst" erstaunt zu sehen, "wie sie aufrecht auf einem Brett stehend hin- und herglitt. ...Sie drehte und wendete sich, wie es ihr gefiel, als machte sie sich einen Zeitvertreib und dachte wohl weder daran, wer sie bei ihren Kunststücken beobachtete, noch hatte sie eine Ahnung, daß diese die letzten waren, die sie zeigen sollte." Die meisten der Soldaten hatten Angst, sie zu berühren, aber ein paar tapfere Seelen lauerten der Brett-Reiterin auf, als sie an das Ufer zurückkehrte; sie schlugen auf ihren Kopf ein, verprügelten sie, erschossen sie und ließen dann ihren "verabscheuungswürdigen Leichnam für die Würmer liegen." Im Vergleich mit den unbarmherzigen Hexenverfolgungen des europäischen Festlandes handelte es sich bei englischen Hexenjagden eher um Dorffehden und kleinliche Böswilligkeiten. Wuchs das Korn nicht gut, gingen die Pferde durch, wurden die Kühe krank, brach der Wagen, hatten Frauen Fehlgeburten oder wollte die Butter nicht geraten: immer ließ sich eine Hexe finden, der der Schaden angehängt werden konnte. Marion Cumlaquoy auf den Orkney-Inseln wurde 1643 verbrannt, weil sie sich dreimal gegen den Uhrzeigersinn gedreht hatte, um die Gerstenernte ihres Nachbarn verfaulen zu lassen. Die Frau eines Schneiders wurde hingerichtet, weil sie sich mit ihrem Nachbarn gezankt hatte; dieser sah anschließend auf seinem Grundstück eine Schlange, und seine Kinder wurden krank. Eine Hexe wurde verurteilt, weil sie in einer Bierkneipe mit einem Säufer gestritten hatte. Nachdem er so maßlos betrunken war, daß er sich übergeben musste, beschuldigte er sie, ihn verhext zu haben - und man schenkte ihm Glauben. Eine Frau wurde der Hexerei überführt, weil sie eine Lähmung ihres Nachbarn verursacht hatte - indem sie ihre Strümpfe auszog. Eine andere wurde hingerichtet, weil das neugeborene Kind der Nachbarin aus der Wiege fiel und starb, nachdem sie es bewundert hatte. Zwei Hexen aus Glasgow wurden gehängt, weil sie ein krankes Kind behandelt hatten - obgleich die Behandlung erfolgreich war und das Kind genas. Joan Cason aus Kent kam 1586 an den Galgen, weil sich trockenes Stroh auf ihrem Dach befand. Ihr Nachbar, dessen Kind krank war, hatte von einem nicht näher bekannten Reisenden die Mitteilung erhalten, daß das Kind verhext sei; diese Behauptung ließe sich überprüfen, indem ein wenig Stroh vom Dach der Hexe gestohlen und ins Feuer geworfen werde: wenn es knackte und Funken sprühte, sei die Hexerei erwiesen. Der Test fiel zu Ungunsten der Joan Cason aus, und dem Gericht war dies ein ausreichender Anlaß, die arme Joan zu verurteilen. Hexen waren bequeme Sündenböcke für Ärzte, denen es nicht gelang, ihre Patienten zu kurieren, denn es war ein "allgemeiner" Glaube, daß von Hexerei verursachte Krankheiten unheilbar wären. Weyer meinte: "Dumme und ungeschickte Ärzte schoben alle Schuld an Krankheiten, die sie nicht kurieren konnten oder falsch behandelt hatten, auf die Hexerei." Es gab auch Priester und Mönche, die "behaupten, sich auf die Kunst des Heilens verstehen. Wer immer ihre Hilfe sucht, dem lügen sie vor, seine Krankheit rühre von Hexerei her." Als Anlaß der meisten wirklichen Hexenverfolgungen finden sich "keine erotischen Orgien, keine Hexensabbate und keine ausgefeilten Rituale; in ihnen kommt nichts weiter als der Haß und die Bosheit eines engstirnigen Bauernlebens, unterstützt von mangelhaften Gesetzen, zum Vorschein. Einer von Männern beherrschten Gesellschaft waren Hexen willkommene Gegenstände des sexistischen Hasses; Stanton führt dazu aus: "Der Geist der Kirche, der sich in den Paulinischen Briefen und in den fünf Büchern Mose in seiner ganzen Frauenverachtung zeigt; der Haß der Kirchenväter, der in ihren kanonischen Schriften und in den Dogmen des Asketentums, in Zölibat und Hexenglauben festgeschrieben ist, hat des Mannes Achtung vor Frauen zerstört und das Verbrennen, Ertränken und Foltern von Frauen zum Recht erhoben... Den christlichen Missionaren wurden die Frauen und ihre Pflichten zu Zielscheiben des Hasses; bei frommen Asketen und Mönchen lösten sie abwechselnd Furcht und Verachtung aus. Die Priesterin-Mutter wurde zu etwas Unreinem, zu einer Verbündeten des Teufels; ihr überliefertes Wissen wurde zu einer höllischen Beschwörung und selbst ihre Kochkunst wurde zur Giftmischerei - ja sogar ihr ganzes Dassein wurde für den Mann zu einem Quell der Sünde. So wurde aus der Frau als Mutter und Priesterin die Frau als Hexe... Hier liegt der Grund, weshalb die Gelehrten trotz aller Forschungsarbeit und Bibelkritik niemals das Problem der Stellung der Frau anrühren." Die Männer zeigten lebhaftes Interesse an der körperlichen Erscheinung der Hexen und versuchten herauszufinden, woran sie zu erkennen wären - so wie sie schon immer danach verlangte, auch andere Frauentypen nach ihrer Erscheinung zu klassifizieren. Die Männer waren sich allgemein darüber einig, daß jede Frau mit einer abweichenden Augenfarbe eine Hexe war. Wo die meisten Menschen - wie in Spanien und Italien - dunkle Augen und eine bräunliche Gesichtsfarbe hatten, brachte man hellblaue Augen mit Hexerei in Verbindung; viele behaupteten auch, rothaarige Frauen seien Hexen. Dies mag daher kommen, daß rothaarige Menschen meistens auch Sommersprossen haben, die - wie auch Warzen, Muttermale, Pickel, Pockennarben, Zysten, Leberflecken, Grützbeutel und andere Schönheitsfehler - oft als "Hexenzeichen" angesehen wurden. Einige Hexenjäger sagten, das Mal könne wie ein Insektenstich oder ein Geschwür aussehen. Niemand konnte je erklärren, worin sich ein Hexenzeichen von einem normalen Schönheitsfehler unterschied. Da nur sehr wenige Menschen eine makellose Haut haben, war die Suche nach dem Hexenzeichen selten erfolglos. Thomas Ady (einer der wenigen englischen Schriftsteller des 17. Jh., die es wagten, die Hexenverfolgung als wahnhafte Vorstellung zu entlarven) erkannte dies und schrieb: "Nur wenige Menschen auf dieser Welt sind ganz ohne geheime Körpermale wie Muttermale und andere Flecken - auch solchen, die von den Hexenverfolgern als des Teufels heimliche Merkmale bezeichnet werden. Aber dieser Beobachtung schenkte niemand Aufmerksamkeit. Die Gerichtsverfahren wurden mit jeder nur denkbaren Ungerechtigkeit geführt. 1629 wurde Isobel Young angeklagt, einen Mann, der sich mit ihr gestritten hatte, durch Hexerei gelähmt und außerdem den Einsturz einer Wassermühle verursacht zu haben. Sie protestierte und sagte, der Mann sei lahm gewesen, bevor sie sich gestritten hätten, und eine Wassermühle könne auch wegen Baufälligkeit zusammenbrechen. Der Richter Sir Thomas Hope verwarf ihre Verteidigung mit der Begründung, dass "sie im Widerspruch zur Anklageschrift stehe" - das bedeutet, daß die Unrechtmäßigkeit von Isobel Youngs Verteidigung darin bestanden hatte, die Beschuldigung überhaupt zu bestreiten. Wenn eine Hexe unter Anklage stehe, so sagte Scot, "wird jede doppeldeutige oder unsichere Antwort als Geständnis aufgefaßt." Andererseits galt Schweigen ebenfalls als Geständnis. Verweigerten Hexen die Aussage, so wurden sie verurteilt: "Der Hexerei überführt durch Schweigen der Angeklagten." Mitunter war schon bloße Ausgelassenheit ein ausreichender Beweis für die Hexerei: so im Fall der Mary Spencer, die 1634 angeklagt wurde, weil sie vergnügt ihren Wassereimer einen Hügel herunterrollen ließ, vorauslief und ihm zurief, er solle ihr folgen. Die Ungerechtigkeit der Prozeßordnung führte auch in anderen Fällen dazu, daß Frauen als Hexen gebrandmarkt wurden: So gab es bespielsweise ein Gesetz, nach dem das Zeugnis eines Mannes vor Gericht auch dann für wahr galt, wenn mehrere Frauen das Gegenteil ausgesagt hatten. Manchmal wurde die Anklage der Hexerei als eine Art Bestrafung gegen Frauen angewandt, die ihrer Enttäuschung von Männern zu deutlichen Ausdruck verliehen oder es vorzogen, allein zu leben. In alten Quellen finden sich viele Belege "für die Freude, mit der verwitwete Frauen ihren eigenen Haushalt führten und für die Kraft, mit der sie den amourösen Annäherungsversuchen von Witwern widerstanden." Ein unabhängiges Leben setzte eine Frau selbstverständlich noch stärker der Anklage der Hexerei aus - die Männer waren im allgemeinen der Ansicht, eine Frau müsse unbedingt beaufsichtigt werden. Die Männer, die der unglücklichen Angeklagten unter der Folter das Geständnis der Hexerei abnötigten, bedienten sich einer Sprache, mit der sie die wahren Sachverhalte verschleiern und beschönigen wollten. Aber gerade diese Sprache machten deutlich, daß das Opfer a priori verurteilt war. Anne Marie Georgel leugnete, einen Teufelspakt geschlossen zu haben, bis sie sich in der Folter - wie es in der Niederschrift heisst - "gerechterweise dazu genötigt sah, sich für schuldig zu erklären". Catharine Delort wurde "durch die Mittel, die uns zur Erkenntnis der Wahrheit zur Verfügung stehen, zum Geständnis gezwungen" und "all der Verbrechen, derer wir sie verdächtigten, überführt, obgleich sie lange Zeit ihre Unschuld beteuerte". Der Inquisitor Nicholas Rémy bekundete eine fromme Verwunderung über die große Anzahl der Hexen, die "ein unbedingtes Verlangen nach dem Tod" zum Ausdruck brachten - als hätte er nicht gewußt, daß man sie durch unzählige entsetzliche Folterqualen zu diesem Verlangen gebracht hatte. In welchem Umfang heidnische Religion tatsächlich unter den Hexen des 16. und 17. Jahrhunderts überlebt hat, ist zwar oft diskutiert, aber niemals entschieden worden. R.W.Church äußerte: "die Gesellschaft ist schon lange dabei, sich des Heidentums zu entwöhnen; bisher ist es ihr allerdings noch nicht gelungen. Im 11. Jahrhundert war sie nicht (oder zumindest kaum) in der Lage, sich vorzustellen, daß so etwas jemals möglich sein könne." In Böhmen war es im 15. Jahrhundert noch allgemeiner Brauch, zu Weihnachten und anderen Festen den Göttern - nicht Gott - Gaben darzubringen. In den Dörfern Europas gab es nach wie vor viele Weise Frauen, die offiziell oder inoffiziell als Priesterinnen fungierten. Seit die Kirchenväter christliche Priesterinnen für unvorstellbar erklärt hatten, waren alle Funktionen der Priesterin mit Heidentum verknüpft. Bischöfe berichten von heidnischen Zusammenkünften in ihren Diözesen, an denen "Teufel in der Gestalt von Männern und Frauen teilgenommen haben." Heidnische Zeremonien konnten im Rahmen von Hochzeitsfeiern, Volksfesten, jahreszeitlich bedingten Ritualen und Trauerfeiern überleben. Wenn aber Frauen oder Göttinnen dabei eine bedeutende Rolle spielten, wurden diese Zeremonien nachhaltig unterdrückt. Johannes von Salisbury schrieb, der Teufel sende "mit der Erlaubnis Gottes" Menschen zu den Zusammenkünften, die zu Ehren der Königin der Nacht, einer Priesterin, die unter dem Namen Noctiluca oder Herodiade die Mondgöttin verkörperte, abgehalten wurden. Die katholische Kirche hängte das Wort Hexe jeder Frau an, die es wagte, die Kirchenpolitik zu kritisieren. Frauen, die sich im 14. Jahrhundert mit den reformierten Franziskanern (von denen man einige wegen Ketzerei verbrannt hatte) zusammentaten, galten als Hexen, Judastöchter und als vom Teufel aufgehetzt. Die Autoren des Talmud zeigten ebenfalls die Neigung, nahezu alle Frauen für Hexen zu halten. Sie behaupteten etwa, "Frauen neigen von Natur aus zur Hexerei" oder : "Je mehr Frauen es gibt, desto mehr Hexerei wird es geben." Vermutlich gab es - verglichen mit der großen Zahl derer, die man vor die kirchlichen Gerichte gezwungen und trotz ihrer Unschuld legal ermordet hatte - nur sehr wenige, die wirklich Hexerei betrieben. Und so mußte es allen nur halbwegs Einsichtigen klar sein, daß die christliche Gesellschaft absichtlich Frauen erniedrigte und diskriminierte. Manche mögen so aufgebracht gewesen sein, daß sie trotzdem Widerstand leisteten. "Das Kirchenrecht, die Katechismen, die Glaubensartikel und die Kirchendisziplin billigte den Frauen keine Stimme zu. Warum sollten die Frauen also den Anordnungen einer durch und durch männlichen Religion Folge leisten, die das weibliche Geschlecht in jedem entscheidenden Punkt benachteiligten?" Sie hatten nur wenige Möglichkeiten, ihre Enttäuschung und ihren Trotz auszudrücken - freiwillig den Ruf und das Verhalten einer Hexe auf sich zu nehmen, war sicherlich eine davon. |