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Geheimbünde

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Die Ausdrucksformen des Geheimbundwesens reichen von der Gruppe der Jäger und Sammler in der Urgeschichte über die religiös-esoterischen Gruppen und Strömungen der Antike (Mysterien, Gnostik) bis zu den Kulturen und Bünden der dritten Welt (Afrika, Melanesien, Nord- und Südamerika).

Die Geheimbünde umfassen meistens einen Teil der erwachsenen Männer, die ihre geheimen Symbole und eine Geheimsprache haben und sich regelmäßig zu sozialen und kultischen Veranstaltungen zusammenfinden. Häufig sind die Mitglieder nach Ordensgraden gestaffelt; die Riten der Graduierung entsprechen den symbolhaltigen Bräuchen bei der Initation oder sind eine Weiterbildung derselben.

Das Geheimnis der Geheimbünde liegt im wesentlichen darin, daß sie den wahren Charakter ihrer Vorführungen und Objekte den Nichteingeweihten (besonders den Frauen) gegenüber verbergen. Das strikte Fernhalten der Frauen von Bereichen des Kultes beruht hauptsächlich auf der Meinung von der weiblichen Unreinheit (Menstruation), der Gefährlichkeit bestimmter Gebiete des Transzendenten für die Frau und auf der geschlechtlichen Arbeitsteilung.

Verräter der Geheimnisse werden meistens sofort getötet.

Bei den Sara (Tschad) erhielten die Mitglieder Tätowierungen und lernten eine Geheimsprache, erhielten Einsicht in die Mythen und lernten mit Gift umzugehen. In Guinea und Zentralafrika erscheinen die Geheimbundmitglieder mit Masken, sind verhüllt und sprechen mit Fistelstimme. Die Oro (Yoruba) lassen sich nur hören und lassen symbolische Spuren ihrer Anwesenheit zurück wie z. B. gebrochene Äste.

Die Entstehung der Geheimbünde wird oft einem Heilbringer zugeschrieben, der als Weltordner oder Bringer von Kulturgütern auftritt, indem er etwa den Menschen Kulturpflanzen schenkt, Feuer bringt und Gesetze verkündet.

So symbolisieren die Masken des Poro-Bundes (Liberia) Stammesheroen, die einst geholfen haben, den Poro einzurichten. Nicht selten verfolgen die Geheimbünde den Zweck einer Reinigung oder Wiederauferstehung.

Die Mitglieder des Löwenmenschenbundes der Sara sind als Löwen verkleidet, brüllen wie ihr Vorbild (mit Kürbistrompeten), tragen in Löwenprankenform geschnitzte Schuhe, um Spuren vorzutäuschen. Bei den Semale (Ostsudan) "erleben" die Novizen geschlossenen Auges, wie die Verstorbenen vorbeirasen und ihnen mit Leopardenkrallen und Raubvogelschnäbeln tiefe Wunden auf Brust und Rücken beibringen, doch stehen sie symbolisch unter dem Schutz der Geheimbundmitglieder, die die Verstorbenen in die Flucht jagen.

In der Neuzeit entstanden in Europa und Nordamerika Geheimbünde, teils religiös motiviert (Rosenkreuzer), teils mit philanthropischen Bestrebungen (Freimaurerei), teils auch mit ausgesprochen politischen Zielen. Der zu Napoleons Zeit gegründete Geheimbund der Carbonari (carbonaio = Köhler) war antifranzösisch und antibourbonisch; er hatte mehrere Grade; wichtige Symbole waren Kohle (= Quelle des Lichtes und der Wärme), Feuer (= Flamme der Freiheit, mit der die Carbonari die Welt erleuchten wollen), Ofen (= gemeinsames Ziel, an dem der Bund arbeitet).

Der 1866/67 im Süden der USA gegründete, neger- und judenfeindliche Ku Klux Klan terrorisierte in weißer, furchterregender Kapuzentracht und unter dem Symbol des Flammenkreuzes seine Gegner.