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Freimaurer

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Freimaurerei, über zahlreiche Länder verbreitete Bewegung mit dem Ziel, ihre Anhänger (Brüder) zum Ideal edlen Menschentums hinzuführen. Die Bezeichnung stammt von den geheimen symbolischen Riten, die auf die Bräuche der mittelalterlichen Bauhütten zurückgeführt werden; nach anderer Interpretation bezeichnet das englische freemason den höher qualifizierten Bauarbeiter, der den free-stone, den zum Schmuckstück bestimmten Stein, zu bearbeiten hat.

Die geistesgeschichtliche Einordnung der Freimaurerei ist wegen der Arkandisziplin nicht gesichert; früher beliebte Herleitungen (von Salomon, antiken Mysterienkulten, Templerorden oder Rosenkreuzern) waren rein spekulativ. Fest steht, daß die erste, 1717 in London gegründete Großloge auf die alte britische Werkmaurerei zurückgeht. Das Cooke-Manuskript (15. Jh.) bezeichnet die masonry als ältestes und vornehmstes Handwerk, das von der Geometrie, der angesehensten der sieben freien Künste, abstamme. Auch kann die eine oder andere Wurzel der Freimaurerei in französische Handwerkergesellenvereinigungen (les compagnonnages) und in deutsche mittelalterliche Bauhüttenbruderschaften zurückreichen; die geschichtlichen Zusammenhänge sind zwar umstritten, die geistige Anlehnung und Übernahme alter Symbole steht aber außer Zweifel.

1737 wurde die erste deutsche Loge in Hamburg gegründet. Joh. Gottfried Herder sah mit Unbehagen, daß Alchemie und Magie in der Freimaurerei Eingang fanden; er war für eine rationale Mythen- und Symboldeutung; Poesie, Philosophie und Geschichte waren ihm die 3 Lichter, das heilige Dreieck, das über Nationen und Konfessionen strahlt.

Besonders in Frankreich fand eine Verbindung mit der hermetischen Philosophie statt; in der hermetischen Maurerei (z. B. Illuminés d'Avignon, 2. Hälfte des 18. Jh.) gelten die alchimistischen Prozesse der Metallverwandlung symbolisch für die Wandlung des unwissenden, sittlich unreifen Individuums zum geläuterten Menschen.

Neben Staatsmännern und Gelehrten zog die Freimaurerei auch Dichter (Voltaire, Lessing, Goethe) und Musiker in ihren Bann. Mozarts Oper Die Zauberflöte ist eigentlich eine Verherrlichung der freimaurerischen Humanitätsidee; das Hauptmotiv der Ouverture soll mit seinem Hämmern die Arbeit am rauhen Stein symbolisieren.

Die Freimaurerei ist eine Art moderner Mysterienbund mit Initation, Verbrüderungsidee, Suchen nach Licht und Glauben an eine geistige Auferstehung im Sinne des Goetheschen "Stirb und Werde". Als Schutzpatron gilt Johannes der Täufer. Gott wird in der Symbolgestalt des "Allmächtigen Baumeisters aller Welten" (ABaW abgekürzt) verehrt.

Die angelsächsische Freimaurerei vertritt die Lehre, daß die Bruderschaft der Menschen auf die Gotteskindschaft gegründet ist. Die Stätten der rituellen Arbeit heißen Tempel (symbolisch für die Auferbauung der eigenen Persönlichkeit) oder Bauhütte, englisch lodge (daher "Loge").

Die gesamte freimaurerische Lehre ist in den 3 symbolischen Graden (auch Johannisgrade genannt) enthalten: Lehrling, Geselle, Meister - in bewußter Anlehnung an die Lebensstufen Jüngling, Mann, Greis bzw. Geburt, Leben, Tod.

Die Aufnahme in den Meistergrad ist mit dem Gedanken von Tod und Wiedergeburt verbunden. Noch im 18. Jh. wurden zwecks Vertiefung zusätzlich Hochgrade eingeführt, so vor allem im AuASR = Alter und Angenommener Schottischer Ritus; seine 33 Grade waren ursprünglich alle symbolbezogen, z. B. erinnerte der 13. Grad (Royal Arch = Königliches Gewölbe) an den Bau eines Idealtempels zum Ruhm des ABaW, der 28. Grad (Knight of the Sun = Sonnenritter) ist vom geistigen Licht erleuchtet und hat alle Stadien mystischer und religiöser Zweifel durcheilt.

Freimaurerische Symbole

Nach der Verfassung der Großloge von England ist die Freimaurerei ein "System der Sittlichkeit, eingehüllt in Allegorien und erleuchtet durch Sinnbilder". Grundlage der freimaurerischen Symbolik ist die Arbeit der Handwerker, besonders der Steinmetzen.

Zentralsymbol ist der (Salomonische) Tempel, dessen Bau die Brüder, in weiterem Sinne alle Menschen, in ihrem geistigen Streben nach Vollendung vereinen soll; es ist der Tempel der Humanität.

Der noch unbearbeitete Stein, der kubische Stein und das Reißbrett gehören zu den drei unbeweglichen Kleinodien, während Winkelmaß, Wasserwaage und Senkblei die beweglichen Kleinodien bilden.

Die "drei großen Lichter" bestehen aus Bibel, Winkelmaß und Zirkel. Die "drei kleinen Lichter" werden gebildet von Sonne, Mond und dem Meister vom Stuhl; die beiden Gestirne  gelten dabei als Inkarnation der schöpferischen Urkräfte, der Logenvorsitzende (Stuhlmeister) als "Sohn", der in Anlehnung aus den "Logos" das geistige Licht ausstrahlt.

Bei der freimaurerischen Arbeit, so bei der Aufnahme eines neuen Mitgliedes oder Erhebung in einen höheren Grad, dient - besonders in mitteleuropäischen Logen - ein Teppich mit der Darstellung der wichtigeren Symbole als eine Art Lehrtafel; im angelsächsischen Raum erfüllt ein bemaltes Reißbrett den Zweck.

Freimaurerische Symbole sind:

Akazienzweige, als Zeichen der Unsterblichkeit oft in das offene Grab gestreut oder auf Freimaurergräber gepflanzt.

Die Bibel hat symbolische Bedeutung, deren Auslegung aber dem einzelnen freigestellt ist (z. B. ethische Verpflichtung, Wahrheit, Gottesoffenbarung); im angelsächsischen Raum liegt sie aufgeschlagen auf dem Altar.

Auf die soziale Gemeinschaftsarbeit deuten Biene und Bienenkorb; sie sind ganz allgemein ein Symbol für die Freimaurerei; das Dreieck mit allsehendem Auge ist Symbol der Gottheit.

Drei Fenster - oft auf Teppichen dargestellt - stehen in Zusammenhang mit der Lichtsymbolik der Sonne, die von Osten, Süden und Westen in die Loge scheint.

In der Führung des Hammers kommt die symbolische Gewalt des Meisters vom Stuhl zum Ausdruck; der Hammer ist zweiköpfig oder hat die Form des Steinmetzschlegels.

Die zur freimaurerischen Bekleidung gehörenden Handschuhe sollen anzeigen, daß die Hände bei der Arbeit rein zu bleiben haben; in manchen Systemen erhält der Aufgenommene ein Paar Frauenhandschuhe als "Gruß an die sonst von den Arbeiten der Loge ausgeschlossene Schwester", d. i. seine Frau.

Kerzen sind Symbol des Lichtes und des Lebens, sie stehen auf den drei Säulen.

Der Freimaurerbund bezeichnet sich als Bruderkette, die einzelnen Brüder sind die Kettenglieder; "Kette" ist ein beliebter Logenname; das Bilden der Kette (mystic chain) ist in manchen Großlogen ein symbolischer Akt des freimaurerischen Rituals, besonders am Ende der Arbeit.

In Anlehnung an Jakobs Traum von der Himmelsleiter ist die Leiter ins englische Ritual eingegangen; ihre drei Hauptsprossen: Glaube, Liebe und Hoffnung.

Zu den Werkzeugen des Lehrlings gehört der vierundzwanzigzöllige Mass-Stab als Richtschnur für richtiges Handeln zu jeder Stunde des Tages.

Im Osten der Loge hat der Stuhlmeister seinen Sitz; der Ort, von dem aus das "maurerische Licht" erstrahlt (=Loge), wird selbst Osten oder Orient genannt; Grand-Orient bedeutet einfach Großloge.

Die Arbeit am Reissbrett symbolisiert die Arbeit des Meistergrades; im schwedischen System gehört das Reißbrett (mit dem Plan des Allmächtigen Baumeisters aller Welten) schon zur Arbeitstafel des Lehrlingsgrades.

Am Johannistage (24. Juni) schmückt der Freimaurer die Loge - oft auch sich selbst - mit drei Rosen, sie werden als Licht, Liebe und Leben gedeutet; vor allem gilt die Rose als Symbol der Sehnsucht nach einem neuen höheren Leben und wird deshalb dem toten Bruder ins Grab mitgegeben.

Zum Freimaurertempel gehören fünf Säulen, drei stehen beim Teppich und tragen Lichter (Kerzen) - sie tragen symbolisch den ganzen freimaurerischen Bau: Weisheit, Stärke und Schönheit; die beiden freistehenden oder einen Portikus tragenden Säulen Jachin und Boas gehen auf die Bibel zurück (1 Kön 7, 15-22) und werden ausgelegt als Sinnbild für die Beständigkeit der freimaurerischen Lehre oder auch als Grundpfeiler der Humanität (Gerechtigkeit und Wohlwollen).

Als Symbol der Verschwiegenheit gilt der Schlüssel; in alten Ritualen wird der Schlüssel als Zunge bezeichnet, die alle Geheimnisse gut bewahrt; im schwedischen System Abzeichen des Meistergrades.

Der Schurz ist Zeichen der Unschuld (daher meist in weisser Farbe) und Sinnbild der Arbeit.

Das Senkblei soll auf Geradheit und Wahrhaftigkeit hinweisen.

Ein rauher unbearbeiteter Stein (rough ashlar) ist Symbol der Unvollkommenheit und damit auch des Lehrlings, des neu in den Bund Aufgenommenen; das Behauen des Steines gleicht der Selbsterziehung; der kubische Stein (perfect ashlar) entspricht dem Gesellen.

Die Wasserwaage bedeutet die Gleichheit, die Unterordnung der im Alltag zu beobachtenden Vorrechte unter das reine Menschentum.

Als Symbol der Rechtwinkeligkeit, der Gewissenhaftigkeit ist das Winkelmass ein Würdezeichen des Meisters vom Stuhl.

Der Zirkel (=allumfassende Menschenliebe) spielt bei der Weihe zum Maurer eine große Rolle: die eine der beiden Spitzen wird im Herzen des Bruders verankert, die andere verbindet ihn mit allen anderen Brüdern.