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Medien zum ThemaAlchemie, auch Alchimie, Alchymie (von mittellat. alchimia; gr. chemeía, die Lehre von Säften und chymos, Saft) wird heute meist nur als betrügerische oder illusionäre Goldmacherkunst verstanden, ist jedoch zunächst allgemein Läuterungslehre. Das Vorhaben des Reinigens, Klärens und Aufhellens dunkler und Erdartiger Materien kann metaphorisch mit metallurgischen Operationen in alten Kulturen zusammenhängen, als durch Legierung scheinbar neue Metalle gebildet wurden. Eine Übertragung des Wortbildes im Sinne der Symbolik für "Läuterung des Menschen" ist nahe liegend, aber nicht mehr unmittelbar zu erschließen. Die für uns greifbaren Anfänge der Alchemie liegen im religiösen Synkretismus des hellenistischen Ägypten, wo vor allem Alexandrien als "Schmelztiegel" archaischer Kosmologien, antiker Bilderwelt, orientalischer Erlösungslehren, des Neuplatonismus und der Gnosis wirkte. Der Anteil altägyptischer Weltschöpfungslehren bei der Herausbildung der alchemistischen Nomenklatur und Metaphorik ist bisher noch weitgehend unbearbeitet und hängt von der Erforschung der griechischen und koptischen Papyri ab. In späterer Zeit buchstäblich aufgefasste Symbolbilder der ägyptischen Tempelzentren (von Urmaterie, Läuterung usw.) aus der Schmelzkunst stammend, dürften die Bildsprache der neueren Alchemie beeinflusst und die Zielvorstellungen zur Metallurgie zurückgeführt haben, als das Streben nach Gold im materiellen Sinne in den Vordergrund trat. Dies bedeutet, daß zunächst eine Schmelzkunst-Terminologie metaphorisch für die Veredelung des Menschen, dann die Metaphorik als Wegweiser für eine Metallumwandlung (Transmutation) rückinterpretiert worden wäre. Eine Quasi-sittliche Wertung klingt in Ausdrücken wie "edle" und "unedle" Metalle noch heute nach. Die wichtigste Wurzel der Alchemie ist wohl die Ideenwelt der Gnosis mit ihrem Dualismus einer reinen, strahlenden Welt des Geistes und einer unreinen, erdhaften Welt der Materie. Das Streben ging danach, den Anteil an Stofflichkeit durch Vergeistigung sukzessive zu verringern, bzw. das Reich des Geistes auf Kosten der Materie zu mehren. Dies ist nur durch "heißes Bemühen" möglich. Eine Entsprechung (Analogie) zwischen dem Wesen des strebenden Alchemisten und dem Substrat seines Strebens, dem bearbeiteten Stoff, wurde als zwingend und ohne Kausalnexus wirksam erlebt, so daß die seit dem Mittelalter immer deutlicher verfolgte Idee der Möglichkeit einer Metallumwandlung im Sinne der "Goldsynthese" nicht der inneren Konsequenz entbehrt. Yeats formuliert in seiner Rosa alchymica, daß die Lehre der Alchemisten keine bloße chemische Phantastik war, sondern ein philosophisches System, das sie auf den Kosmos anwandten, auf die Elemente und selbst auf den Menschen, und daß sie die Erzeugung von Gold aus unedlen Metallen nur als den Teil einer allgemeinen Umwandlung aller Dinge in eine Göttliche und unvergängliche Substanz anstrebten. Für den echten Adepten (Eingeweihten, Wissenden) war die Goldmacherkunst immer nur Parergon (Nebenwerk) seines Strebens, während die eigene Läuterung als mühsamer Aufstieg im Vordergrund stand. Die Transmutation der Metalle hing im Sinne der alchemistischen Lehre von einem subtilen und idealen Extrakt ab, dem Stein der Weisen, der seine edlen Qualitäten jedem Substrat einprägen und z. B. Blei in Gold verwandeln konnte. Er selbst musste jedoch zuerst aus einer geheimnisvollen Urmaterie (materia prima) durch langwierige und oft zu Fehlschlägen führende Operationen (den alchimistischen Prozess) herausgebildet werden. Dieser Weg ist in den Texten oft widersprüchlich geschildert und wurde vorwiegend durch geheime mündliche Unterweisung seitens eines erleuchteten Meisters dem Schüler mitgeteilt, oder er wurde diesem durch intuitive Erleuchtung (göttliche Gnade) klar. In den schriftlich fixierten Texten ist der Prozess daher nur in Symbolbildern, in allegorischen Umschreibungen, Mehrdeutigkeiten und auch mit offenbar absichtlichen Umreihungen der einzelnen Stufen wiedergegeben, um Unwürdige abzuschrecken und in die Irre zu führen (wohl auch, um das häretische Gedankengut einer eigentlich gnostischen Ideologie nicht zu deutlich zutage treten lassen). Dazu passt, dass vielfach christliche Symbole der geläufigen Ikonographie (Dreifaltigkeit, Auferstehung usw.) zur Illustration von alchemistischen Traktaten verwendet wurden, jedoch mit einer von der kirchlichen Lehre abweichenden und nur dem Kenner sich erschließenden Sinngebung im Rahmen einer "neo-gnostischen Seelenschmelzkunst". Ein anderes Motiv für das gewollte Verhüllen von Weg und Ziel dürfte die alte Auffassung gewesen sein, daß die spirituelle Arbeit und Mühe des von der Intuition gesteuerten Spekulierens um den Urgrund und das Ziel von Makro- und Mikrokosmos in sich selbst im Sinne der verdienstlichen Allegorese den Sucher vergeistigte und damit auch in der Welt das Reich des Geistes ausbreiten half. Die dem Außenstehenden zunächst als abstrus und wirr erscheinende Welt der alchemistischen Symbole als Bilder einer vom Menschen gesteuerten und beschleunigten Metallreifung von unvollkommenen Stadien bis zum lauteren Gold - die durch den Bergmannsglauben vom wachsenden Erz und die Auffassung einer Allbelebtheit der Natur begreiflich wird - entbehrt in diesem Sinne nicht der Logik. Hat die Ideologie der Alchemie auch zunächst vorwiegend religiöse Fundamente, so kommen doch auch quasi-künstlerische (intuitive) und wissenschaftliche Aspekte (durch das Erforschen der Naturprozesse) dazu, um ein sehr komplexes und nach dem Abreißen der mündlichen Tradition nur mehr bruchstückhaft erfassbares Gesamtbild zu schaffen, das ungeachtet der von verschiedenartigen Ausgangspunkten aus operierenden modernen Forschung auch in unserer Zeit noch in weiten Partien rätselhaft geblieben ist. Vergleichend-religionswissenschaftliche und symbolkundliche Studien erweisen sich hier als ergiebiger als die üblichen chemiegeschichtlichen Untersuchungen. Alchemistische Symboleillustrieren zahlreiche Bücher besonders des 16. und 17. Jahrhunderts, tauchen, dichterisch umschrieben, in den Texten auf und finden heute das Interesse der Psychologie, besonders der Schule von Jung. Die vielgestaltige Bilderwelt der alchemistischen Symbole wurde somit vorwiegend in einer Zeit ausgebaut, in der sich die Laboratoriumspraxis der Alchemie von ihrer spekulativen Seite bereits weitgehend getrennt hatte. Sie umschreibt vorwiegend den alchemistischen Prozess, der die materia prima in den Stein der Weisen umwandelt, wobei der sich sukzessive vergeistigende Stoff in seinen Stadien (calcinatio, solutio, putrefactio, reductio, sublimatio, coagulatio fermentaltio, lapis) in verschiedenen Farben erscheint: schwarz, weiß, gelb und rot. Die meisten illustrierten Bücher scheinen in emblematisch verhüllter Form bestimmte, nur bruchstückweise rekonstruierbare chemische Prozesse wiederzugeben, jedoch immer in Verbindung mit Sinnbildern religiös-philosophischer Natur bzw. beide Ebenen vereinigend. Die alchemistischen Symbole sollten nicht eigentlich mehrdeutig, sondern mehrschichtig wirken und auf der Ebene der Laborpraxis, der geistigen Disziplin des Alchemisten und auch im überpersönlichen Bereich auf adäquate Fragen die jeweils richtigen Antworten geben. Da für ihr Verständnis offenbar eine persönliche Unterweisung des Schülers durch den Meister vorausgesetzt wurde und die Bücher nie als echtes Kommunikationsmittel verstanden sein wollten, ist in ihrer Bilderwelt keine allgemein verbindliche und konsequent lesbare Abfolge zu suchen. Die wichtigsten, am häufigsten wiederkehrenden alchemistischen Symbole sind, in alphabetischer Reihenfolge genannt: Adler - meist mercurius in flüchtiger Form, wobei mercurius einen der beiden Grundstoffe (Rebis) bedeutet, zu welchen nach Paracelsus das Element sal (Stofflichkeit) hinzukam; Aussaat - das Hinzufügen eines "Ferments" zu der sich wandelnden Materie, Hoffnung auf neues Leben Bäume - pflanzenhaft keimende, sich entwickelnde Stoffe, besonders Metalle; Blume - die sublimierte Materie (vgl. den Ausdruck Schwefelblume); Brautgemach - das alchemistische Gefäß, in dem die beiden Grundstoffe (Rebis) sulphur und mercurius sich verbinden. Eherne Schlange am Kreuz - die fixierte Materie (coagulatio oder fixatio); Ei - das verschlossene alchemistische Gefäß oder die materia prima (in der beide Grundkomponenten vorhanden sind), die also keimhaft die künftige Entwicklung in sich trägt; Embryo - der in der materia prima anlagemäßig vorhandene Beginn der späteren Reifung; Fuchs - die sich im Zuge der Umwandlung rötende Materie (rubedo) im Stadium der Sublimation. Fußloser Jüngling - der fix gewordene (erstarrte) mercurius (vgl. oben eherne Schlange) oder der fruchtlos suchende, ratlose Alchemist. Geflügelte Wesen (Vögel, Flugdrachen) - volatile (flüchtige) Aggregatzustände. Grauer Wolf - der zur Läuterung des Goldes dienende Antimon; Greis mit Sense - Blei, das Element des Saturnus; Helios - Symbol des Sonnenelementes Gold, allgemein alles "hell Strahlende"; Koralle - aus dem Urwasser (Meer) geholte, verfestigte materia prima; Kröte - gelatinöse, "giftige" Materie vor der Verfestigung Liebespaar - die beiden Grundstoffe sulphur und mercurius (Adam und Eva, Gabricius und Beia), die verbunden werden sollen (vgl. Brautgemach), weiters jede Bipolarität; Meer - die Matrix der materia prima, auch Salzbrunnen genannt Mond, Göttin Luna oder Selene - das Metall Silber, auch die weibliche Seite der Natur; Nymphe - aus deren Brüsten zwei Quellen entspringen (Doppelbrunnen), die beiden in der materia prima vorhandenen Grundstoffe in flüssiger Form Ouroboros, die sich in den Schwanz beißende Schlange - sonst Symbol der Ewigkeit, hier Bild des mercurialischen Drachens in einem oft wiederholten Kreisprozess (Destillation - Kondensation - Destillation usw.); Pelikan, der sich die Brust aufreißt - die sich rötende Materie (rubedo), die sich "in ihr eigenes Blut verwandelt", sonst Sinnbild der selbstlosen Liebe Pfau - das schillernde Farbenspiel der sich umwandelnden Materie Phönix - die in der Hitze des Ofens sterbende, auf höherer Ebene neu belebte Materie (sonst allgemein Symbol der Auferstehung) Rabe - die sich schwärzende Materie im Stadium der putrefactio (nigredo) Schwert - das Scharfe, die Separation Bewirkende, das Feuer Todessymbole wie Gerippe, Totenkopf, Sarg usw. - das Stadium der Schwärzung (nigredo) und putrefactio, auch mortificatio im Sinne der Verfestigung des mercurialischen Prinzips (vgl. oben eherne Schlange) Verschlingen eines Wesen durch ein anderes - die Auflösung einer Substanz in einem Lösungsmittel; Weintraube - ein vegetabilisches Lösungsmittel, aqua vitae, auch "Rausch" im weitesten Sinne Würfel - der Grundstoff sal (Stofflichkeit, Greiflichkeit) Zwitterwesen - Rebis Zu diesen Bildern kommen die in der Astrologie üblicher Planeten (Planetengottheiten), wie hier im Falle von "Greis mit Sense" angedeutet, weiters alchemistisch umgedeutete christlich ikonographische Bilder (z. B. Trinität - die drei Grundstoffe) und ein großer Fundus von graphischen Symbolzeichen (signacula) für Chemikalien, Prozesse, Zeitangaben und Aggregatzustände. |