Home
A
A .°. A .°.
Ab
Abaddon
Abischag
Aborigines
Abram
Abramelinritual
Abraxas
Abzu
Acheron
Adler
Adonis
Ägypten
Agartha
Ainu
Alchemie
Aleister Crowley
Amulett
Apollon
Asgard
Atlantis
Catal Hüyük
Cro Magnon
Dumuzi
Dunkle Zeitalter
Eiszeit
Freimaurer
Geheimbünde
Geheimregierung
Geheimwissen
Gilgamesch
Gnosis
Götter
Hexen
Hinduismus
I GING
Inana
Kabbala
Kaliyuga
Kultplätze
Mana
Manu
Materia Prima
Mystik
Mythen
Rosenkreuzer
Stein der Weisen
Urgötter
Weltalter
Ziusudra
Quellen

Ägypten

Ägyptische Religion

Das Alte Reich (ca. 2850 - 2263 v. Chr.)

Die Weltordnung des Alten Reiches war geprägt durch die Idee vom sakralen Königtum. Für sie ist der Gott-König, der über Ägypten herrscht, eine Macht, die das ordnungsgemäße Spiel der Lebensmächte in Gang hält, der notwendige Angelpunkt der göttlichen und weltlichen Sphäre. Der Pharao ist "mit Leben begabt" und daher "Spender des Lebens", er ist es, "der die Herzen am Leben erhält". In einer Lehre, die in späterer Zeit Sehetep-ib-Re, ein hoher Beamter des Mittleren Reiches, auf seinen Grabstein setzen ließ, kommt der Glaube an die Göttlichkeit des Königs treffend zum Ausdruck:

Die Einsicht ist er, die in den Herzen ist. Seine Augen durchsuchen jeden Leib. Er ist (der Sonnengott) Re, der durch seine Strahlen gesehen wird. Er erleuchtet die beiden Länder (Ober- und Unterägypten) mehr als die Sonne. Er lässt das Land mehr grünen als ein hoher Nil. Er hat die beiden Länder mit Kraft und Leben erfüllt... Er gibt Lebenskräfte denen, die ihm Gefolgschaft leisten. Er versieht mit Speisen den, der seinen Weg anhängt. Die Lebenskraft ist der König, und Überfluß ist sein Mund...

Der König, der als der "große Gott" bezeichnet wird, steht in enger Beziehung zur Maat. Er ist ihr Realisator und wird "Vollstrecker der Maat" genannt. Diese Maat ist ein numinoser Ordnungsbegriff und stellt das Grundaxiom der gesamten Weltanschauung des Alten Reiches dar. Die Maat ist eine geheime Ordnung, die den kosmischen, ethischen und rituellen Bereich umgreift und in den Göttern wie unter den Menschen verbindlich wirkt.

Die Göttlichkeit des Königs kommt auch darin zum Ausdruck, daß er als eine Erscheinungsform des Falkengottes Horus gilt, des letzten in der Reihe jener am Anfang der ägyptischen Geschichte als Herrscher stehenden Götter, von denen in späterer Zeit am ausführlichsten der Turiner Königspapyrus berichtet.

Die Kronen des Königs sind machtgeladene Zeichen eines sakralen Herrschertums. Als "die beiden Mächtigen" wird die Doppelkrone von Ober- und Unterägypten bezeichnet. In einem alten Text wird an die unterägyptische Krone ein Gebet für den König gerichtet:

Gib du, daß er herrsche über die Lebenden,
gib du, daß er herrsche über die Verklärten.
Gib du, daß sein Messer hart sei gegen seine Feinde.

Die Krönung des Königs ist eine sakrale Handlung ebenso wie ihre in alter Zeit nach dreißig Jahren vollzogene Wiederholung im Sed-Fest. Dieses Jubiläumsfest galt einer Erneuerung der göttlichen Menschwerdung im König.

Der König ist nach orthodoxer Meinung der einzige, der im Kult mit den Göttern in Verbindung treten darf. Im Hinblick auf die wachsende Zahl der Heiligtümer muß er dann freilich in zunehmendem Maße Priester zu diesem Dienst delegieren.

Für den gewöhnlichen Menschen hat die Machtsphäre des Königs Tabu-Charakter. Dies findet seinen knappsten, prägnantesten Ausdruck in den alten Worten der Königsprozession: 

Es kommt der Gott - Schutz der Erde!

Auf Anschauungen vom Tabu-Charakter des Herrschers wird auch die frühe Sitte der Tötung von Gefolgsleuten beim Königsbegräbnis schließen lassen. Sie hat sich nur im nubischen Ausstrahlungsgebiet der ägyptischen Kultur für längere Zeit erhalten. In Ägypten selbst ist sie nur für die Frühzeit nachweisbar. Dafür bildet sich in der 1. Dynastie des Alten Reiches die Sitte, Mitglieder der königlichen Familie und des Hofes nach ihrem Tod in der Umgebung des Königsgrabes beizusetzen. Sie sollen im Umkreis der lebenerhaltenden Kraft des Herrschers bleiben.

Die monumentalen Königsgräber vermitteln bis heute ein eindrucksvolles Bild vom Sakralherrschertum Ägyptens. Diese Grabanlagen haben früh die Form der Pyramide (ägyptisch mer) erlangt, die sich aus einem rechteckigen, meist mit schrägen Wänden versehenen Grabhügel entwickelt hatte, für den der arabische Terminus Mastaba (Bank) gebräuchlich geworden ist. Die gewaltigsten Pyramiden sind in der 4. Dynastie für die Könige Cheops, Chefren und Mykerinos errichtet worden. Sie liegen bei Gizeh, unweit Kairo, am Westufer des Nils. Die Pyramiden des Mittleren Reiches sind wesentlich bescheidenere Bauwerke. Im Neuen Reich sind die Pharaonen in den Felsengräbern des Tales der Könige (arabisch Biban el Moluk) bestattet worden.

Seit 1881, dem Jahr iher Entdeckung, sind die Pyramidentexte zu den architektonischen Zeugen des Sakralherrschertums als literarische Quellen hinzugetregten. König Unas, der letzte Herrscher der 5. Dynastie, und die Könige der 6. Dynastie, die das Alte Reich beschloß, hatten sie in der Sargkammer und den Gängen und Räumen, die zu ihr führen, aufzeichnen lassen. Diese Texte dienten der Sicherung des unsterblichen Lebens des Königs und seiner Aufnahme in die Gesellschaft der Götter. Es sind die ältesten Auferstehungstexte der Welt, deren Verlesung das Begräbnisritual des Königs begleitete.

Die Pyramidentexte heben den Gott-König weit über den irdischen Bereich hinaus. In den Sprüchen 273 und 274, den sogenannten "Kannibalenhymnus", findet dies gewaltigen und grausamen Ausdruck:

Der Himmel ist wolkenschwer, die Sterne sind verfinstert, das Himmelsgewölbe erbebt, die Knochen des Erdgottes erzittern - nachdem sie König Unas gesehen haben, glänzend und machtvoll als der Gott, der von seinen Vätern lebt und seine Mütter verspeist... Die Herrlichkeit des König Unas ist im Himmel, seine Macht im Lichtreich, wie die seines Vaters (des Gottes) Atum. Der hat ihn geschafften, aber er (Unas) ist mächtiger als er... König Unas ist der Stier des Himmels, der einst Mangel litt und sich darum entschloß, von der Gestalt jedes Gottes zu leben, und ihre Eingeweide verzehrte, als sie, den Leib mit Zauberkraft gefüllt, von der Flammeninsel kamen. König Unas ist einer, der wohlversehen ist, der sich die Götter einverleibt hat... König Unas ist einer, der Menschen ißt und von Göttern lebt, der Boten besitzt und Befehle erteilt... (Der Gott) Chonsu, der die Herren schlachtet, schneidet ihnen die Kehle für König Unas ab und nimmt ihre Eingeweide heraus, der Keltergott zerlegt sie für den König Unas und kocht von ihnen eine Mahlzeit in seinen Abend-Kochherden. König Unas ist es, der ihre Zauberkräfte ißt und ihre Geister verschluckt... König Unas ist die große Macht, die Macht hat über die Mächte... Wer von König Unas gefunden wird auf seinem Weg, den ißt er auf, Stück für Stück. König Unas ist ein Gott, älter als die Ältesten... Nicht werden die Würden des König Unas von ihm genommen werden, da er das Wesen jedes Gottes verschluckt hat. Die Lebenszeit des König Unas wird die Ewigkeit sein, seine Grenze die Unendlichkeit...

Eine erste Erschütterung der Idee vom sakralen Königtum war mit dem Aufstieg des Sonnengottes Re verbunden. Der Glaube an ihn wurde in der Endphase des Alten Reiches zur offiziellen Staatsreligion erhoben. Es war ein Schritt auf dem Wege zur Vermenschlichung des Herrschers, den Ägypten freilich nie zu Ende gegangen ist. Nach dem Re-Glauben trat an die Stelle der Identität des Königs mit dem Gotte Horus eine Filiation: Der König galt als Sohn des Sonnengottes.

Zur Verehrung des Sonnengottes Re wurden auf dem Westufer des Nils Sonnenheiligtümer errichtet. Ihr Kultmittelpunkt war ein Obelisk. Seine Spitze, das Pyramidion, erglänzte morgens unter den ersten Sonnenstrahlen.

Die Weltordnung des Alten Reiches war im Prinzip statisch. Sie knüpfte intentionell an den normativen Anfang an, der als goldenes Zeitalter galt. Das erste Regierungsjahr jedes Königs galt als "Jahr der Vereinigung der beiden Länder" Ober- und Unterägyptens. Die frühzeitliche Vereinigung der beiden Reichshälften sollte bei jedem Regierungsantritt neu vollzogen werden. Es herrschte die Vorstellung von einer unbegrenzten Periodizität.

In diese statische Welt hatte sich der Mensch einzufügen. Sein ethisches Verhalten wurde von der Maat bestimmt, der auf den Gott-König und die sakrale Ordnung des Staates bezogenen Norm, deren Realisation in einem der rechten Ordnung im Staat entsprechenden Handeln vollzogen wurde und deren Gegenteil Unordnung und Chaos waren.

Das Alte Reich hat sein Ende in einer Katastrophe großen Ausmaßes gefunden. Literarische Kunde hiervon geben die als "Admonitions" bekanntgewordenen Texte. Sie enthalten Reden eines vornehmen Mannes namens Ipu. Er war ein leidenschaftlicher Vertreter und schilderte in grellen Farben den Verfall seiner Zeit:

Sehet, Dinge sind getan worden, die sich seit den fernsten Zeiten nicht zugetragen haben. Der König ist von den Elenden gestürzt worden. Sehet, der als (königlicher) Falke(ngott) Begrabene ist aus dem Sarge gerissen. Was die Pyramide verbarg, ist ausgeleert. Sehet, es ist so weit gekommen, daß das Land des Königtums beraubt worden ist durch wenige Ignoranten. Sehet, es ist so weit gekommen, daß man sich aufgelehnt hat gegen das Schlangendiadem des Re, der die beiden Länder (Ägyptens) in Ruhe hielt. Sehet, das Geheimnis des Landes, dessen Grenzen man nicht kannte, ist entblößt. Die Residenz ist in einer Stunde überwältigt worden... Das Geheimnis der Könige von Ober- und Unterägypten ist aufgedeckt.

Die Aufstiegszeit des Mittleren Reiches (ca. 2263 - 2040 v. Chr.)

Dies war eine Epoche politischer Zersplitterung und Ohnmacht Ägyptens, zugleich aber äußerst lebhafter geistiger Auseinandersetzungen. Eine erste Folge der geistigen Erschütterung beim Zusammenbruch des Alten Reiches ist die Skepsis, der menschliche Zweifel an allen Werten. Verbunden hiermit ist die Aufforderung zu hedonistischer Lebensführung. Sie findet beredten Ausdruck in den "Harfnerliedern":

Laß dein Herz nicht müde sein,
folge deinem Wunsch und deinem Vergnügen
und schaffe dir dein Schicksal auf Erden
nach den Wünschen deines Herzens - 
bis jener Tag der Trauer zu dir kommt. 
Denn Osiris erhört ihr Schreien nicht,
und keinen Menschen ruft die Totenklage aus dem Grab zurück.
Feiere den frohen Tag
und ruhe nicht an ihm!
Denn siehe, niemand nimmt seine Güter mit sich, 
und keiner kehrte zurück, der dorthin gegangen ist.

Eine Reaktion auf diese Skepsis ist eine magische Sicherung des Jenseitsgeschickes, die sich in Ägypten gegenüber vergeistigten und ethisch bedingten Vorstellungen durchgesetzt hat. Ihr Ziel ist es, das irdische Leben für die Ewigkeit zu konservieren. Dem dienen das Grab und seine Ausstattung, die Mumifizierung und die Grabbeigabe von Uschebtis ("Antwortenden"), Dienerfiguren, die im Jenseits für den Grabherrn arbeiten sollten.

Verbunden mit diesen Magischen Praktiken war eine Osirianisierung der Jenseitsvorstellung. Nach alter Vorstellung war der Sonnengott Re der Richter im Totengericht. Nun trat an seine Stelle Osiris, und in dessen Unterweltsreich wurde das Totengericht verlegt. Durch magische Identifikation mit dem Gotte Osiris hoffte der Mensch auf eine dem Schicksal des Gottes analoge Auferstehung. Denn der Mythos berichtete, daß Osiris von seinem feindlichen Bruder Seth ermordert worden sei, dann aber mit Hilfe seiner Gattin Isis zu neuem Leben erweckt wurde.

Das magische Moment beherrscht auch die Sargtexte. Sie stellen ein umfangreiches und vielschichtiges Textgut dar und sind Ausdruck einer von magischen Zielsetzungen bestimmten Entwicklung, die mit der Übernahme von Pyramidentexten für verstorbene Königinnen eingeleitet wird und sich dann auf weitere Kreise erstreckt. Im unterschiedlichen Gebrauch der Pyramiden- und der Sargtexte äußert sich der Bruch, der zwischen den Welten liegt, die sie repräsentieren. Das Vordringen des magischen Zweckes in den Sargtexten bedingt ein verändertes Verhältnis zur mythischen Welt. Zwar wird in dieser Nachfolgeliteratur der Pyramidentexte noch in mannigfacher Weise die Welt des Mythos zitiert. Aber die mythischen Gegebenheiten, denen hier offenbar keine kultische Realisation im Begräbnisritual mehr entspricht, sind nicht zentrale Mittel zur Sicherung der Unsterblichkeit, sondern treten zu etwas anderem hinzu. Das wird sehr deutlich an einem Sargtext, der das osirianische Geschick verbindet mit der Berufung auf eine vegetative Unsterblichkeit:

Ich lebe, ich sterbe, ich bin Osiris. Ich bin hervorgekommen aus dir, ich bin eingetreten in dich, ich bin fett geworden in dir, ich bin gewachsen in dir, ich bin in dich gefallen, ich bin auf meine Seite gefallen. Die Götter leben von mir. Ich lebe, ich wachse als (der Korngott) Nepre, der die Ehrwürdigen (Toten) (mit sich) herausnimmt. (Der Erdgott) Geb hat mich verborgen. Ich lebe, ich sterbe. Ich bin die Gerste - nicht vergehe ich.

Die Sargtexte, deren Niederschrift nach dem Ende des Alten Reiches beginnt, wurden auf den geweißten Wänden der Särge verzeichnet. Diese Sitte hielt sich bis in die 17. Dynastie. Im Neuen Reich tritt an die Stelle der Sargtexte das Totenbuch, das ebenfalls in magischer Absicht benutzt wird. Seine generelle Intention ist es, dem Verstorbenen das Bestehen vor dem osirianischen Jenseitsgericht und ein glückliches Fortleben zu sichern. Die Vignetten des Totenbuches machen dieses Ziel deutlich, indem sie die Stätte des Jenseits, die Verwandlungsformen des Verstorbenen und das Gericht, bei dem das Herz gegen das Symbol der Wahrheit abgewogen wird, bildlich darstellen. Das Totenbuch wurde auf Papyrusrollen aufgezeichnet, die dem Toten ins Grab mitgegeben wurden. Als Verfasser des Totenbuches galt der Gott Thot, der der Schreiber der Götter und der Gott der Schreiber war.

Die Aufstiegszeit des Mittleren Reiches ist keineswegs allein gekennzeichnet durch Skepsis, Hedonismus und Magie. Es brechen vielmehr in ihr auch gewichtige Strömungen positiven religiösen Bekenntnisse und religiöser Lebensgestaltung auf. Sie äußern sich im Gottesbild und in moralischen Forderungen. In der 1914 zutage gekommenen "Lehre für König Merikare" ist stets nur singularisch von "Gott" (ägyptisch neter) die Rede, nicht aber von den zahlreichen Numina des plytheistischen Pantheons. Dort heisst es:

Wohlbehütet sind die Menschen, die Herde des Gottes. Er hat Himmel und Erde zu ihrem Gefallen geschaffen. Er hat des Urwasser Kraft gebändigt; er hat Lebensodem für ihre Nasen geschaffen. Sie sind seine Ebenbilder, hervorgegangen aus seinem Leibe. Er geht am Himmel auf für ihre Herzen und fährt einher, sie zu schauen. Er hat für sie die Pflanzen und Tiere geschaffen, die Vögel und Fische, um sie zu ernähren... Er hat ihnen Herrscher schon im Mutterleib erschaffen als Gebieter, um den Rücken der Schwachen zu stützen... Er hat die Frevler unter ihnen getötet... Siehe, Gott kennt jeden Namen.

Strömungen vertiefter Religiosität, die dieser Text für das Gottesbild erkennen lässt, gewinnen in jener Zeit auch für die Ethik Geltung. War die Maat des Alten Reiches eine numinose Ordnungsmacht, deren Gegenteil die Unordnung war, so werden jetzt der Maat die Begriffe "Sünde", "Lüge" und "habgierig" als sittlich negative Wertungen entgegengesetzt. Und die "Lehre für König Merikare" ermahnt zur Nächstenliebe:

Beruhige die Weinenden, quäle keine Witwe, verdränge keinen Mann von der Habe seines Vaters, schädige die Räte nicht an ihren Sitzen, hüte dich davor, ungerecht zu strafen.

Es spricht für die hohen moralischen Forderungen des Textes, daß seine Gebote in einer auf den Gotteswillen beogenen Gesinnungsethik gipfeln, die einer sich in kultischen Handlungen erschöpfenden Religiosität entgegengesetzt wird:

Empfangen wird (von Gott) leiber die Tugend des Rechtschaffenen als das Opferrind des Sünders.

Die gleiche ethische Haltung kommt zum Ausdruck in einer prophetischen Verkündigung, die für die damalige Zeit nachweisbar ist. Sie ist enthalten in einem Literaturwerk, das unter dem Titel der "Klagen des beredten Bauern" bekannt geworden ist. Es enthält prophetische Reden eines Oasenbewohners namens Chu-n-anup. Im Mittelpunkt seiner Verkündigung steht die Maat, zu deren Befolgung er ermahnt, aber auch ein ihr nicht entsprechendes Verhalten untersagt:

Bewege dein Herz, daß du die Maat kennenlernst. - 
Das Gleichgewicht des Landes ist das Tun der Maat. - 
Der Betrüger verringert die Maat. - 
Sage keine Lüge und behüte die Beamten davor.

Sünde, Lüge und Unrecht werden in folgendem Ausspruch gegeißelt:

Der Gärtner der Schändlichkeit besprengt sein Beet mit Sünde, um sein Beet zu (einem Beet der) Lüge zu machen, um Unrecht auf das Landgut auszugießen.

Die Konzeption bietet nicht Raum für magische Bedingungen des Fortlebens nach dem Tode, sondern allein für ethische. In den Klagen des beredten Bauern wird gesagt, daß die Wahrheit bis in Ewigkeit währt und mit dem, der sie tut, ins Jenseits geht. Ethische Qualifikationen bekundet auch die Bezeichnung des "gerechtfertigten" Toten, der "wahr an Stimme" (maa-cheru) ist; sie wird seit dem Beginn des Mittleren Reiches jeden Verstorbenen beigelegt.

Mit diesen ethischen Wertungen ist eine vergeistigte Auffassung des Jenseits verbunden. In einem Text, der ein Gespräch der Götter Atum und Osiris verzeichnet, antwortet der Urgott Atum dem Osiris auf dessen düstere Jenseitsschau:

Ich habe Verklärtheit gegeben an Stelle des Wassers, der Luft und der Lust und Seeligkeit an Stelle von Brot und Bier.

Offenbar ist diese Jenseitsvorstellung mit einem zukünftigen himmlischen Dasein verbunden, dem der Re-Glaube zugrunde lag; so beschreibt ein unter der Bezeichnung des "Lebensmüden" bekannter Text die Hoffnung auf eine bessere Existenz in der Umgebung des Sonnengottes:

Wer dort ist, der wird ein lebender Gott sein und wird die Sünde strafen an dem, der sie tut.
Wer dort ist, wird im Sonnenschiff stehen,
und er wird das Beste darin den Tempeln verleihen.
Wer dort ist, wird ein Weiser sein und man hindert ihn nicht, Re anzuflehen, sooft er redet.

Das Mittlere Reich (2040-1786 v. Chr.)

Das Mittlere Reich hat religiöses Gut seiner Aufstiegszeit übernommen, steht hinter dieser aber an Lebendigkeit der geistigen Auseinandersetzung zurück.

Typisch für das Mittlere Reich ist das Bemühen, die Neuordnung des ägyptischen Staates, die jender Zeit angesichts des Zusammenbruches des Alten Reiches zur Aufgabe wird, zu vollziehen mit Hilfe eines Rückgriffes auf jene Anschauungen von sakralen Königtum, unter denen die erste staatliche Blütezeit Ägyptens gestanden hatte. Die 12. Dynastie, die das Mittlere Reich beherrscht, will den Neubau des ägyptischen Reiches auf ein Staatsdogma gründen, das zugleich ein religiöses ist und den König als göttliche Person auffasst.

Aber diese Intention steht im Kontrast und damit in einer inneren Spannung zu einer tatsächlichen Einsicht in die Menschlichkeit der Träger des königlichen Amtes. In der "Lehre des Königs Amenemhet", die nach dessen aus dogmatischen Gründen offiziell verschwiegener Ermordung sein Sohn Sesostris verfassen ließ, werden dem alten König die Worte in den Mund gelegt:

Niemand ist stark in der Nacht; und allein zu kämpfen ist unmöglich.

Mit einem solchen Bekenntnis ist schonungslos die Menschlichkeit des Trägers der ägyptischen Doppelkrone aufgedeckt und der Abstand ist deutlich zu jener Zeit, in der die königliche Macht für Diesseits und Jenseits die entscheidende Grösse war.

Die Geistigkeit der Gottesvorstellung, die vor Beginn des Mittleren Reiches verkündet worden war, kennzeichnet auch die Prädikate, die dem Gott Amun gegeben werden, der von der 12. Dynastie ab offiziell im Mittleren und später im Neuen Reich als höchster Gott und als Erstentstandener gilt:

Der zuerst im Uranfang Entstandene, Amun, der Erstentstandene, dessen Gestalt man nicht kennt; kein Gott entstand vor ihm; kein anderer Gott war mit ihm zusammen, der seine Gestalten genannt hätte. Er hatte keine Mutter, nach der sein Name gemacht werden konnte, er hatte keinen Vater, der ihn erzeugte... Der sein Ei selbst bildete, eine Mach von geheimer Abkunft, der seine Schönheit selbst schuf, der göttliche Gott, der von selbst entstand. Alle anderen Götter entstanden, nachdem er mit  sich selbst den Anfang machte.

 

 


Nicht viele Länder wurden so sorgfältig durchforscht und durchgraben wie das Land am Nil. Es ist so viel an Ort und Stelle freigelegt worden, daß man kaum nachkommt, das seit Jahrzehnten aufgehäufte Material erst einmal systematisch auszuwerten und zu publizieren....

Was wissen wir?

Abgeschlossene und laufende Forschungsprojekte des Arbeitsbereichs Ägyptologie der Universität Hamburg:

  • Archäologische Untersuchungen von Gräbern des Alten Reiches in Saqqara, Ägypten (seit 1969)
  • Aufnahme und Bearbeitung der Annalen Amenemhets II. in Memphis aus dem Mittleren Reich
  • Aufnahme und Bearbeitung der Architektur und der Darstellungen des Grabes des Bay im Königsgräbertal von
  • Theben (KV 13)
  • Aufnahme und Bearbeitung der Architektur und der Darstellungen des Königsgrabs der Tausret und des
  • Sethnacht im Königsgräbertal von Theben (KV 14)
  • Multidisziplinäre Untersuchung der altägyptischen Mumien der Berliner Museen
  • Philologische Gesamtbearbeitung der Inschriften des Tempels von Edfu
  • Die Landesverwaltung des Mittleren und Neuen Reiches
Mehr Infos unter: http://www.rrz.uni-hamburg.de/aegypten/

 

Die Hochkulturen von Ober- und Unterägypten haben ihre Wurzeln um etwa 4500 v. Chr. Sie begannen quasi aus dem Nichts als fertige, außerordentlich komplexe Zivilisation, die sich in den dynastischen Jahrtausenden eher noch konservierte als weiterentwickelte. Der Ursprung der ägyptischen Götter ist nicht einheitlich, sondern bietet verschiedene Systeme wie die große Neunheit von Heliopolis oder die große Achtheit von Hermopolis. Letztere besteht aus folgenden Paaren:

    • Hu und Hauhet, den großen Unendlichkeiten
    • Kuk und Kauket, den ewigen Dunkelheiten
    • Niau und Niaut, den großen Verneinungen
    • Nun und Naunet, den großen Urwassern
    • Amun und Amaunet, den großen Unsichtbarkeiten
Zusammen mit dem Urgott Atum bzw. Ptah schaffen Neunheit oder Achtheit den Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut, die Eltern von Osiris, Seth, Isis und Nephthys. Das gesamte Trachten der alten Ägypter war auf den Übergang in einen höheren, göttlichen Seinszustand nach dem Tod und die Bewahrung uralter, kosmischer Gesetze ausgerichtet. Während die Sintflutmythen inzwischen geophysikalisch erklärt werden können, erscheint das lange Zeit als schizophren mißverstandene esoterische Denken und Fühlen dieser rätselhaften Kultur in einem völlig neuen Licht, wenn die Inhalte und Aussagen der symbolhaften Überlieferungen mit der heutigen Philosophie, Biochemie und Kommunikationstechnik verglichen werden. Selbst die 1842 von Richard Lepsius erstmals mit der Bezeichnung "Ägyptisches Totenbuch" zusammengestellten Papyrusdokumente können aus heutiger Sicht nicht mehr als okkulte Mysterientexte gelten, sondern als Reste einer Erinnerung an die heute noch spürbaren Folgen einer Fehlentwicklung, die das Zeitalter der Götter beendete.

 

Mehr über Ägypten im WWW:
 

  1. Hinweise des ägyptischen Fremdenverkehrsamt
  2. Informationen zu Ägypten von ai
  3. Landeskundliche Informationsseite