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Abaddon

Der Gott Apollon war während des Tages ein Sonnenkönig im Himmel und bei Nacht ein Herr des Todes in der Unterwelt. Letztere Form wurde zum jüdischen Apollyon, dem Engel des Abgrunds (Offenbarung 9,11). Apollon-Phyton war die Schlangen-Gottheit in der Grube des delphischen Orakels, welche die Seherin durch mystische Dämpfe aus der Unterwelt inspirierte. Das griechische Wort für Grube war abaton, das die Juden zu Abaddon veränderten - später war dies ein geläufiges christliches Synonym für die Hölle.

Auch mundus oder Erd-Leib genannt, war abaton tatsächlich eine Grube oder Höhle, wie sie in jedem heidnischen Tempel zu finden war. Von denjenigen, die sie betraten, um dort "bebrütet", inkubiert zu werden, bzw. um dort eine Nach in der magischen Imitation des Schlafes im Mutterleib zu verbleiben, hieß es, daß sie von einem "Incubus" besucht würden, einem Geist, der prophetische Träume brachte. Novizen begaben sich für längere Zeit in die Gruben, wo sie Tod, Begräbnis und Wiedergeburt aus dem Leib von Mutter Erde darstellten. Wenn sie einmal auf diese Art eingeweiht waren, dachte man, daß sie die Gabe der Oneiromantie besäßen, die Fähigkeit, Träume zu deuten.

Der Joseph des Alten Testamentes bekam seine Gabe, Träume zu deuten, durch den Aufenthalt in einer Grube. Die "Brüder", die ihn dort hineingeworfen hatten, scheinen seine Priestergenossen gewesen zu sein. Er konnte die Träume des Pharao erst deuten, nachdem er diesem Ritual unterworfen worden war. Assyrische Priester entwickelten ähnliche Kräfte durch den Aufenthalt in einer Grube. Danach legten sie das vielfarbige Priestergewand an, das die Kommunion mit der Göttin unter ihrem Namen Nansche, "Deuterin der Träume", andeutete.

Es ist wahrscheinlich, daß Josphs vielfarbiger Mantel ihm ursprünglich nicht vor der Initation, sondern hinterher gegeben wurde, durch einen "Vater", der in Wirklichkeit ein Hohepriester war.

Dasselbe Begräbnis und Wiederauferstehungs-Ritual findet sich in den Lebensbeschreibungen antiker Weiser. Von dem pythagoräischen Philosophen Thales von Milet, der zu den Sieben Weisen der Antike gezählt wurde, heißt es, er habe seine intellektuellen Fähigkeiten durch die Kommunion mit der Göttin der Weisheit in einem abaton erlangt.